11.04.2018

Presse | Hat der Beruf der Sekretärin noch Zukunft?

Management Assistants’ Consultant Marit Zenk über den Einfluss technologischer Veränderungen und die Folge für Assistenzen

Besucher empfangen, Termine des Chefs koordinieren, Geschäftsreisen planen und vorbereiten, Unterlagen zusammenstellen – der Beruf der Sekretärin oder Assistenz ist ebenso umfangreich wie anspruchsvoll. Doch auch hier hält die technische Entwicklung immer mehr Einzug und scheint der Assistenz den Job streitig zu machen. Was ist dran an der Zukunft des Assistenz-Berufs? Marit Zenk, Management Assistants’ Consultant und ehemalige langjährige Vorstandsassistentin, beleuchtet die aktuelle Situation.

Die Zukunft des Assistenz-Berufs scheint unsicher: Es gibt immer mehr digitale Veränderungen, die schon heute Teilbereiche von Aufgaben betreffen, die eine Assistenz ausführt. In Hotels beispielsweise werden Gäste schon von einem Roboter begrüßt, ein Kollege – ebenfalls ein Roboter – nimmt das Gepäck entgegen und verstaut es ganz pragmatisch. Auch den Zimmer-Service übernimmt längst ein freundlich umherrollender Roboter, der nicht nur die Grußformeln draufhat, sondern darüber hinaus gleich die Zufriedenheit abfragt. Solche Hotels sind im Kommen. Hier ist die Assistenz an der Rezeption mittlerweile überflüssig.

Doch auch mit Blick zurück ist es noch gar nicht lange her, dass man beispielsweise echte Menschen in der Telefonleitung hatte, wenn man verbunden werden wollte. Geld konnte nur überwiesen werden, wenn man handschriftlich einen Überweisungsschein ausgefüllt und ihn bei der Bank abgegeben hat. Heute geht das binnen weniger Sekunden dank dem Onlinebanking. Auch zum Einkaufen ist man in ein Geschäft gegangen und hat die Dinge angefasst, aus- oder anprobiert, während man heute online bestellt und alles nach Hause geliefert bekommt. „Den technischen Fortschritt sollte man nicht als Gefahr sehen, sondern als Unterstützung im beruflichen und privaten Alltag“, findet Marit Zenk. „Auch Assistenzen können und müssen sich diese Veränderungen zunutze machen, um der steigenden Komplexität und der Menge der Aufgaben gerecht werden zu können.“

Dass der Druck auf die Assistenz in den Jahren immer weiter gestiegen ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, doch Zenk sieht die zunehmende Digitalisierung eher als Chance denn als Gefahr. „Aus meiner Sicht sind technische Hilfsmittel eine willkommene Unterstützung für eine Assistenz, denn durch sie erfährt auch die Managerin des Managers Entlastung.“

Die Management Assistants’ Consultant sieht den Beruf der Sekretärin in Zukunft nicht als gefährdet und erklärt: „Die Assistenz ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Chef und Mitarbeitern. Darüber hinaus ist Einfühlungsvermögen nicht wirklich programmierbar. Das sehen wir an Alexa und ihren ‚Freundinnen‘ – schon bei der zweiten Fragenebene verlieren die ‚Damen‘ den Anschluss. Zusammenhänge zu erkennen, vorausschauend zu denken und dabei unternehmensübergreifend zu kommunizieren – dazu braucht es eine Person aus Fleisch und Blut“, schließt Zenk und hebt zusätzlich hervor, was alle Assistenzen beherzigen sollten: „Binden Sie die technischen Möglichkeiten mit ein und ziehen Sie immer wieder Ihr Ass aus dem Ärmel – Ihre Empathie. Ihr Chef soll Sie weiterhin als seine rechte Hand spüren und wahrnehmen, dass Sie ein Leistungsträger des Unternehmens sind. Die Assistenz ist noch lange nicht obsolet.“

zurück